Grußwort von Bürgermeister Freytag am 9.2.2022

Grußwort

Von Bürgermeister Freytag
anlässlich der Mahnwache für die Opfer der Corona-Pandemie
Gemeinsam für Brühl

am 09.02.2022,
ab 18 Uhr Rathaus-Vorplatz

Liebe Brühlerinnen und Brühler!

Seit fast zwei Jahren beschäftigt uns alle die Corona-Pandemie. Zahlreiche Menschen haben sich mit dem Virus angesteckt, heute sind in Brühl mehr als 1.000 Personen infiziert. Auch wenn wir mit den Impfungen und Testungen vorangekommen sind, zeigen die aktuellen Inzidenzen, dass wir noch Geduld benötigen, bis das Corona-Virus in Schach gehalten werden kann.

Nicht alle Brühlerinnen und Brühler werden diese Normalität erleben. Heute Abend wollen wir der Opfer der Corona-Pandemie gedenken und Solidarität zeigen mit denen, die Opfer zu beklagen haben.

62 Menschen aus unserer Stadt haben inzwischen durch oder mit dem Corona-Virus ihr Leben verloren.

Zu Beginn der Pandemie im April und Mai 2020 haben wir 13 Menschen verloren, den ersten am 01. April 2020.

Ende November 2020 bis Mai 2021 verstarben weitere 42 Menschen, dann wurde im großen Rahmen der Impfschutz wirksam.

Seitdem sind dennoch weitere 7 Menschenleben für immer verloren.

Meist waren es Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen, aber auch Jüngere haben schwere Krankheitsverläufe erleiden und in Krankenhäusern behandelt werden müssen.   

Dort werden sie von Menschen versorgt, denen wir zu Dank und Anerkennung verpflichtet sind: Die Ärztinnen und Ärzte, aber vor allem auch die Pflegekräfte arbeiten seit März 2020 bis an ihre Grenzen und viele sind erschöpft.

Für ihre Leistung gebührt ihnen unser Respekt. Das gilt auch für die Menschen, die in den Heimen und im Rettungsdienst, sowie auch in weiteren Bereichen des Gesundheitswesens arbeiten.

Das gilt für die Kolleginnen und Kollegen der Polizei, des Ordnungsdienstes und der Feuerwehr; das gilt für Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas.

Die anhaltende pandemische Situation trifft uns in allen gesellschaftlichen Bereichen. In jeder Familie, in jeder Schule, in jeder Kita und in jedem Unternehmen, in jedem Verein, jedem Freundeskreis und an jedem Ort, wo Menschen zusammenkommen, im Sport, in der Kultur, der Gastronomie oder dem Ehrenamt, leistet ein jeder von ihnen Großartiges, verbunden mit Verzicht.

Deshalb kann ich die Ungeduld und den Frust darüber, dass der Weg hieraus viel länger als erhofft dauert, gut verstehen.

Aber – brauchen wir deshalb neue „Freiheitskämpfer“?

Eine der engagiertesten Schriftstellerinnen unserer Zeit, Juli Zeh, hat vor einem Monat in der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ eine zunehmende Konsumentenhaltung im politischen Selbstverständnis mancher Bürgerinnen und Bürgern festgestellt.

Wörtlich: „Das heißt nämlich, dass sich die Bürger gar nicht mehr als Souverän sehen. Sondern als Individuum, das dem Staat gegenübersteht. Hier bin ich, da sind „die da oben“! Und jetzt habe ich Bedürfnisse und Wünsche und bin sauer, wenn das nicht klappt. Auf die Politik oder gleich auf die ganze Demokratie. Genau genommen ist das ein infantiles Politikverständnis.“ (Zitat Ende).

Holen wir die Menschen aus diesem Verständnis heraus. Denn:

Gerade hier vor Ort, in der Kommunalpolitik, kann vieles bewirkt werden.

Es sind häufig die kleinen Dinge, die unser Vertrauen in unsere Gesellschaft stärken. Und nicht nur das Virus, sondern auch Solidarität ist ansteckend!

Zeigen wir Respekt vor der Lebensleistung der Menschen, die an Corona verstorben sind, vor ihrem harten Kampf, den sie zuvor gegen die Erkrankung austragen mussten, ihren Familien und Freunden, deren Welt erschüttert wurde und all jenen, die sich nicht von einem geliebten Menschen verabschieden durften. Zeigen wir Respekt, indem wir uns an die Regeln und vor allem zusammen -halten.

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