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„Schule mit Courage“ und eine AfD-Veranstaltung in der Mensa

In Brühl sind am Freitagabend, 27.02.26, zeitweise etwa 65 Menschen unter dem Motto „Kein Ort für Rassismus“ auf die Straße gegangen. Anlass war eine Veranstaltung des örtlichen AfD-Ortsverbands in der Mensa der Clemens-August-Schule. Geladen waren Vertreter der Jugendorganisation „Generation Deutschland“, die bundesweit in der Kritik steht. In einer Bundestagsdrucksache verweist die Bundesregierung auf personelle und inhaltliche Kontinuitäten zur früheren „Jungen Alternative“, die als gesichert rechtsextrem eingestuft wurde. Auch Äußerungen auf der Gründungsversammlung werden dort als mögliche Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen gewertet.

Die Demonstration entstand kurzfristig und vereinte mehrere Initiativen aus Brühl und dem Rhein-Erft-Kreis. Transparente, Sprechchöre und zustimmende Reaktionen von Passanten prägten das Bild. Die Polizei sprach von einem ruhigen und friedlichen Verlauf.

Zweifel am Öffentlichkeitscharakter

Im Inneren der Schule blieb die Veranstaltung hingegen überschaubar. Rund 30 Gäste nahmen teil, abgesichert durch private Sicherheitskräfte. Für Irritation sorgte vor allem der Umgang mit der Öffentlichkeit. Zwar war die Veranstaltung als „öffentlich“ angekündigt worden, doch der konkrete Veranstaltungsort wurde erst wenige Stunden vor Beginn per E-Mail mitgeteilt. Mehrere Interessierte berichten zudem, trotz schriftlicher Anmeldebestätigung nicht eingelassen worden zu sein. Ihnen sei mitgeteilt worden, sie stünden nicht auf der Gästeliste oder seien „nicht erwünscht“.

Damit rückt neben der politischen Kontroverse auch die Frage nach der Einhaltung der städtischen Benutzungsordnung für Schulräume in den Fokus. Nach § 1 Abs. 3 müssen politische Parteien ihre Veranstaltungen „öffentlich bekannt geben und öffentlich austragen“. Kritiker sehen in der selektiven Zugangspraxis einen möglichen Widerspruch zu diesem Öffentlichkeitsgebot. In einem Schreiben an die Stadtverwaltung verweisen Bürgerinnen zudem auf § 11 der Benutzungsordnung: Bei Verstößen kann die Nutzungserlaubnis entzogen werden; bei groben oder wiederholten Verstößen droht sogar der Ausschluss von künftigen Veranstaltungen. Sie fordern nun eine umfassende Prüfung der Vorgänge.
Eine Stellungnahme der Stadt lag bis Redaktionsschluss nicht vor.

Schulprofil und Veranstaltungsrealität

Am Rande wirft auch die Gestaltung des Veranstaltungsraums Fragen auf. In der Mensa war ein großformatiges Plakat mit dem Konterfei von Alice Weidel aufgestellt. Nach der Benutzungsordnung ist das Anbringen von Werbung im Schulgebäude grundsätzlich unzulässig und nur mit Genehmigung des Bürgermeisters erlaubt. Ob eine entsprechende Genehmigung vorlag, ist offen. Auch das beobachtete Rauchen auf dem Schulhof trotz bestehenden Rauchverbots mag als Einzelverstoß erscheinen.

Symbolisch jedoch wirkte ein anderes Bild: Hinter den bunt gestalteten Fensterflächen der Mensa, die mit aufgemalten Regenbögen sichtbar für den Vielfaltsansatz der Schule stehen, war das Weidel-Plakat platziert.

Die Clemens-August-Schule trägt seit 2020 offiziell den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. In der damaligen Feierstunde warnte Schulleiter Jens Matthias ausdrücklich: „Das rechte Gedankengut erlebt in den letzten Jahren geradezu eine Renaissance und scheint inzwischen wieder salonfähig zu sein. Dies zeigt auch ein Blick auf die politische Landschaft und die Sitzverteilung in den Parlamenten“ (Minute 2:54–3:08). Wenig später betonte er: „Laut Grundgesetz sind alle Menschen gleich und die Würde jedes Einzelnen ist unantastbar. Diese Werte gilt es zu verteidigen“ (Minute 4:21–4:29).

Vor diesem Hintergrund erscheint es zumindest bemerkenswert, dass in eben diesen Räumen eine Parteiveranstaltung stattfand, deren eingeladene Referenten bundesweit mit rechtsextremen Strömungen in Verbindung gebracht werden. Der Kontrast zwischen programmatischem Schulprofil und konkreter Raumnutzung tritt dadurch deutlich hervor.

Abweichende Darstellung der Teilnehmerzahlen

Für zusätzliche Irritation sorgt ein Social-Media-Beitrag aus dem AfD-Umfeld. Dort ist von lediglich „20–30 Personen“ bei der Gegendemonstration die Rede. Nach eigenen Zählungen vor Ort schwankte die Zahl der Protestierenden im Verlauf des Abends – zu Beginn und zum Ende hin waren es weniger, im zeitlichen Zentrum der Kundgebung jedoch rund 65 Personen, die auch von spontanen Hinzugekommenen verstärkt wurden. Auch die Polizei sprach von rund 50 Teilnehmenden. Damit lag die Zahl der Demonstrierenden sicherlich deutlich über der von der AfD genannten Größenordnung.

Die Besucherzahl der AfD-Veranstaltung lässt sich hingegen anhand eines vom Ortsverband selbst veröffentlichten Fotos abschätzen. Der Saal wurde in der Totale aufgenommen; darauf sind 28 Teilnehmende zu erkennen. Die Veranstaltung war damit sichtbar kleiner als die Protestkundgebung vor dem Gebäude.

Vor diesem Hintergrund fällt auf, dass die im Social-Media-Beitrag genannte Zahl der Demonstrierenden deutlich unter den beobachteten Werten liegt. Angesichts der regelmäßig geäußerten Kritik der AfD an vermeintlicher „Falschdarstellung“ durch Medien wirkt diese Diskrepanz zumindest bemerkenswert.

Brühl – Oase der Demokratie

Der Abend in Brühl zeigt damit mehrere Ebenen: einen zahlenmäßig starken zivilgesellschaftlichen Protest, eine vergleichsweise schwach besuchte Parteiveranstaltung – und eine anhaltende Debatte darüber, wie offen der lokale AfD-Verband mit Öffentlichkeit, Kritik und überprüfbaren Fakten umgeht.

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Themen: Aktion | Kundgebung | Medien

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