Mit der sonntäglichen Stille auf dem Brühler Marktplatz wird es am 30. August für ein paar Stunden vorbei sein. Denn es wird bunt, vielfältig und lebendig. Zum dritten Mal stellen sich am „Tag der Brühler Vielfalt“ 43 lokale Vereine, Initiativen, Kirchen, Schulen und Netzwerke den Brühler:innen vor. Nie zeigt sich Brühl schöner in seiner Vielfalt. Die Stadt leuchtet. Auch wenn gewisse Akteure dies gern ändern möchten…
Eine Gruppe hat sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht, nicht nur unter politisch Interessierten: die parteiübergreifende Initiative „Gemeinsam für Brühl“. Wer sind die Mitglieder? Und worum geht’s? Rund 20 Frauen und Männer fanden sich 2022 zunächst zu einer losen Gruppe zusammen. Anlass war ein Phänomen, das damals in vielen Städten und Gemeinden zu beobachten war. Bei sogenannten „Querdenken-Spaziergängen“ kritisierten deren Teilnehmer die Politik der Bundesregierung während der Pandemie, beschimpften demokratische Institutionen und die freie Presse. Demagogische Parolen und die offensichtliche Manipulation durch rechtsradikale Kräfte setzten das Signal. „Wir verstanden plötzlich“, erinnert sich Sonja Tillmann, Frau der ersten Stunde bei „Gemeinsam für Brühl“, „dass wir handeln mussten. Eine für alle sichtbare Gegenbewegung zu den anti-demokratischen Demonstrationen musste her.“
Die Antwort: Mahnwachen für die Opfer der Pandemie, Mahnwachen für Demokratie und die freiheitlich demokratische Grundordnung Deutschlands. Aus einem Hin und Wieder entstand eine regelmäßige Veranstaltung. Und die Bewegung wuchs. Teilweise mehrere hundert Teilnehmer unterstützten die Initiatoren. Sie alle kamen und kommen aus unterschiedlichen Lebensentwürfen, Parteien und demokratischen Initiativen in Brühl.
Die „Brühler Erklärung“ folgte. Zahlreiche Institutionen aus Politik, Kultur, Religion und Gesellschaft unterzeichneten den Kernsatz: „Wer unsere Demokratie als faschistisch oder diktatorisch diffamiert, dem müssen wir alle direkt und unmittelbar entgegentreten. Das tun wir als Nachbar:innen, als Kolleg:innen, als Freund:innen und Familie, in der Politik und auf der Straße.“
„Gemeinsam für Brühl“ erschien auf der Brühler Bühne. Das Merkmal: die parteiübergreifende Arbeit. Den Mitgliedern geht es nicht um Partei-Politik-Klein-Klein, sondern ums große Ganze: unsere Demokratie. In Brühl und überall.
„Gemeinsam für Brühl“ hat das öffentliche Gedächtnis von Brühl geprägt. Veranstaltungen wie zum Beispiel „Solidarität mit den Frauen im Iran“, eine „Mahnwache für die Opfer des Ukraine-Kriegs“ und gemeinsam mit anderen Akteuren die Planung der größten Demonstration, die Brühl je sah: bis zu 5000 Menschen demonstrierten gegen die rassistischen Pläne der AfD und anderen Rechtsradikalen zur „millionenfachen Remigration“.
Mit der Aufführung von „Bubales – das jüdische Puppentheater aus Berlin“ 2024, einer Demonstration gegen den Auftritt von Rednern der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ 2025 sowie einer Kundgebung gegen eine Veranstaltung des Ortsverbands Brühl mit drei AfD-Mitgliedern, die wegen ihrer stramm rechtsradikalen Positionen sogar parteiintern umstritten sind, und vielen weiteren Veranstaltungen gab „Gemeinsam für Brühl“ unserer Demokratie eine laute Stimme.
Der AWO und der Bundeszentrale für politische Bildung fiel die Arbeit der jungen Initiative auf. Zwei Auszeichnungen waren die Folge.
Am 23. September lädt „Gemeinsam für Brühl“ zu einem Vortrag und Austausch mit dem Titel „Extremismus erkennen und Handeln“ ein. Der Referent Dr. Christoph Busch arbeitet im Innenministerium NRW, Abteilung Verfassungsschutz. Seine Erkenntnisse zeigen: politische Radikalisierung findet nicht im Nirgendwo statt, sondern direkt vor unserer Haustür.
Sie sind neugierig geworden? Kommen Sie am Tag der Vielfalt, dem 30.08.26, zum Stand von „Gemeinsam für Brühl“. Standnummer 31 direkt gegenüber des Brühler Rathauses. Die Menschen der Initiative freuen sich auf den Austausch.


